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	<title>Medien-Mittler zwischen den Völkern</title>
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		<title>Tag des Sieges</title>
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		<pubDate>Thu, 10 May 2012 08:24:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Kalimullin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendium in Mittel-/Osteuropa 2012]]></category>

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		<description><![CDATA[Der 9. Mai, an dem in Russland und vielen Staaten Osteuropas der „Tag des Sieges“ im 2. Weltkrieg begangen wird, ist in Estland kein offizieller Feiertag. Das hat seine historischen Gründe: aus estnischer Sicht bedeutete der Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland nur die Ablösung einer Besatzung durch eine andere, die erst mit der Wiedererlangung der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der 9. Mai, an dem in Russland und vielen Staaten Osteuropas der „Tag des Sieges“ im 2. Weltkrieg begangen wird, ist in Estland kein offizieller Feiertag. Das hat seine historischen Gründe: aus estnischer Sicht bedeutete der Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland nur die Ablösung einer Besatzung durch eine andere, die erst mit der Wiedererlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1991 endete.</p>
<p>Dennoch wehte am gestrigen 9. Mai vor einigen Häusern in Tallinn die estnische Flagge – dies ist in Estland aber traditionell nur an Feiertagen üblich. Mit meiner Verwirrung war ich offenbar nicht allein: abends hörte ich bei einem Gespräch zu, in dem es um die Gründe der Beflaggung ging. Diese müsse mit dem Europatag zu tun haben, der ebenfalls am 9. Mai gefeiert wird, lautete die eine vertretene Meinung. Die alternative Erklärung: die estnische Fahne an vielen Häusern sei eine Reaktion auf die von vielen Angehörigen der russischsprachigen Minderheit anlässlich des 9. Mai getragenen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sankt-Georgs-Band">Sankt-Georgs-Bänder</a> und russischen Fahnen.</p>
<p>Ein Tag des Sieges (<em>Võidupüha</em>) wird in Estland übrigens auch gefeiert, allerdings am 23. Juni. Damit wird an den Sieg estnisch-lettischer Truppen über die Baltische Landeswehr in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Wenden">Schlacht von Wenden</a> im Jahr 1919 erinnert.</p>
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		<title>&#8230; und die Auflösung</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 07:52:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Kalimullin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendium in Mittel-/Osteuropa 2012]]></category>

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		<description><![CDATA[Bild 1: Täglich bin ich mit an dieser Tankstelle mit dem Gefühl vorbeigelaufen, dass hier etwas fehlt. Es sollte aber mehr als eine Woche dauern, bis sich dieses Gefühl klarer artikulierte: diese Tankstelle mitten im Zentrum von Tallinn hat kein Kassenhäuschen. Vielleicht gibt es bargeldlose Tankstellen auch schon in Deutschland, in Berlin sind sie mir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://medien-mittler.de/blog/wp-content/uploads/2012/04/Bilderrätsel-1.jpg">Bild 1</a>: Täglich bin ich mit an dieser Tankstelle mit dem Gefühl vorbeigelaufen, dass hier etwas fehlt. Es sollte aber mehr als eine Woche dauern, bis sich dieses Gefühl klarer artikulierte: diese Tankstelle mitten im Zentrum von Tallinn hat kein Kassenhäuschen. Vielleicht gibt es bargeldlose Tankstellen auch schon in Deutschland, in Berlin sind sie mir jedenfalls noch nicht aufgefallen. Ein Plakat kündigt derweil an, hier werde bald eine „Tankstelle der neuen Generation“ aufmachen. Wer weiß, was damit gemeint ist – vielleicht ja dann wieder mit Tankwart&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://medien-mittler.de/blog/wp-content/uploads/2012/04/Bilderrätsel-2.jpg">Bild 2</a>: Die kleine Parkanlage vor der estnischen Nationalbibliothek sieht in diesen Frühlingstagen so friedlich aus, dass man sie kaum mit schweren Unruhen in Verbindung bringen würde. Tatsächlich stand aber genau hier bis vor fünf Jahren der sogenannte Bronzesoldat, das umstrittene sowjetische Kriegsdenkmal, an dessen Versetzung sich im April 2007 massive Proteste entzündeten. Der fünfte Jahrestag der sogenannten „Bronzenacht“ verlief jedoch friedlich. Zu einer angemeldeten Demonstration kamen statt der erwarteten 100 nur rund 30 Teilnehmer, genausoviele Journalisten waren vor Ort. Die Polizei dagegen hielt es nicht für nötig, Vertreter zu schicken. Interessant war, dass die ausnahmslos russischsprachigen Demonstranten nur ungern mit den estnischen Pressevertretern sprachen. Eine lebhafte Diskussion (<a href="http://youtu.be/dOrn1UdM6-E">siehe Video</a>) kam erst zustande, als ich als deutscher Journalist begann, Fragen zu stellen.</p>
<p><code></code></p>
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		<title>Zwei Bilderrätsel&#8230;</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 07:10:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Kalimullin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendium in Mittel-/Osteuropa 2012]]></category>

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		<description><![CDATA[Genauso wichtig wie das, was man sieht, ist manchmal das, was man nicht sehen kann. Zur Illustration dieses Gedankens zwei Bilder von meinem täglichen Weg zur Arbeit und die Frage: Was fehlt auf diesen Bildern? Auflösung folgt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Genauso wichtig wie das, was man sieht, ist manchmal das, was man nicht sehen kann. Zur Illustration dieses Gedankens zwei Bilder von meinem täglichen Weg zur Arbeit und die Frage: Was fehlt auf diesen Bildern? <a href="http://medien-mittler.de/blog/2012/04/30/und-die-auflosung/">Auflösung</a> folgt.</p>

<a href='http://medien-mittler.de/blog/2012/04/30/zwei-bilderratsel/bilderratsel-1/' title='Bilderrätsel 1'><img width="150" height="150" src="http://medien-mittler.de/blog/wp-content/uploads/2012/04/Bilderrätsel-1-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Bilderrätsel 1" title="Bilderrätsel 1" /></a>
<a href='http://medien-mittler.de/blog/2012/04/30/zwei-bilderratsel/bilderratsel-2/' title='Bilderrätsel 2'><img width="150" height="150" src="http://medien-mittler.de/blog/wp-content/uploads/2012/04/Bilderrätsel-2-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Bilderrätsel 2" title="Bilderrätsel 2" /></a>

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		<title>Eine Grenzstadt</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 12:26:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Kalimullin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendium in Mittel-/Osteuropa 2012]]></category>

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		<description><![CDATA[Von chinesischen Gaststudenten in Estland ist überliefert, wie überrascht sie auf die geringe Einwohnerzahl des Landes reagierten: „Nur 1,3 Millionen? Aber dann müssen sich ja alle gegenseitig kennen.“ Etwas ist sicherlich dran an der Behauptung. Wenn schon nicht jeder jeden kennt so kennen doch viele viele, zumal wenn es um das eigene Berufs- oder Interessengebiet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p lang="de-DE">Von chinesischen Gaststudenten in Estland ist überliefert, wie überrascht sie auf die geringe Einwohnerzahl des Landes reagierten: „Nur 1,3 Millionen? Aber dann müssen sich ja alle gegenseitig kennen.“</p>
<p lang="de-DE">Etwas ist sicherlich dran an der Behauptung. Wenn schon nicht jeder jeden kennt so kennen doch viele viele, zumal wenn es um das eigene Berufs- oder Interessengebiet geht. Das macht das Land auch sehr sympathisch – Hierarchien sind flacher, der Zugang zu Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft oder Kultur ist einfacher und direkter.</p>
<p lang="de-DE">Eine Einschränkung muss dabei allerdings gemacht werden: das Gesagte trifft zwar auf die Beziehungen zwischen der Hauptstadt Tallinn, dem kulturellen Zentrum Tartu und einen Großteil des restlichen Landes zu. Als ich jedoch hier in der Redaktion herumfrage, wer Kontakte in Narva, der drittgrößten Stadt des Landes (rund 65.000 Einwohner) hat, stoße ich auf Schweigen. „Das ist ein dunkler Fleck“, bekomme ich zu hören.</p>
<p lang="de-DE">Zur Erklärung: die Bevölkerung der Grenzstadt im äußersten Nordosten des Landes ist zum ganz überwiegenden Teil – etwa 95% &#8211; russischsprachig. Ein nicht unwesentlicher Teil der Einwohner – über 36% &#8211; besitzt die russische Staatsbürgerschaft. Ungefähr jeder sechste hat gar keine Staatsangehörigkeit, kommt mit einem grauen Pass für Staatenlose aber in den Genuss visumsfreier Reisen sowohl in der EU als auch in Russland.</p>
<p lang="de-DE">Narva rückte erst kürzlich aus traurigem Anlass ins Zentrum der medialen Wahrnehmung hier in Estland, als dort ein vermisstes neunjähriges Mädchen ermordet aufgefunden wurde. Neben der allgemeinen Anteilnahme gibt es aber weitere Anzeichen, dass das immer noch bei weitem nicht spannungsfreie Verhältnis zwischen estnisch- und russischsprachiger Bevölkerung sich langsam ändern könnte. Auch aus ganz pragmatischen Gründen: eine kürzlich veröffentlichte soziologische Untersuchung unterstreicht, dass Estland sich aus demographischen Gründen stärker um eine Integration der russischsprachigen Jugend kümmern müsse – sonst drohe eine Abwanderung talentierter junger Menschen bei ohnehin sinkender Bevölkerungszahl.</p>
<p lang="de-DE">Meine erste Reise hier in Estland führte mich eben nach Narva, die dort entstandene Reportage trägt den Titel „<a href="http://www.epl.ee/news/eesti/taismahus-vooras-koht-valismaa-vaike-ja-rahulik-narva.d?id=64245265">Fremder Ort, Ausland. Klein und friedlich. Narva.</a>“ Die Quintessenz: ja, Narva ist für den Durchschnittsesten immer noch gefühltes Ausland. Und auch die Menschen in Narva reden davon, dass sie „nach Estland fahren“, wenn sie Tallinn oder Tartu meinen. Aber entgegen dem verbreiteten Stereotyp ist Narva keine düstere, kriminelle Stadt, vor der man sich fürchten müsste. Und wenn irgendwann die Grenze nach Russland sich wieder öffnet, könnte Narva von der Nähe zur Metropole St. Petersburg profitieren. Darauf ruhen hier viele Hoffnungen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Beruf und Familie</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Apr 2012 19:51:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert Kalimullin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendium in Mittel-/Osteuropa 2012]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom journalistischen Standpunkt aus gesehen beginnt mein Medien-Mittler-Stipendium in Tallinn ideal: Gerade hat sich bei einer Bürgerbefragung die überwältigende Mehrheit der Teilnehmer dafür ausgesprochen, dass die Busse und Straßenbahnen der estnischen Hauptstadt künftig für jederman kostenlos fahren sollen. Tallinn wäre die erste europäische Hauptstadt, die ein derartiges Experiment wagt. Mit seinen gerade mal 1,3 Millionen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vom journalistischen Standpunkt aus gesehen beginnt mein Medien-Mittler-Stipendium in Tallinn ideal: Gerade hat sich bei einer Bürgerbefragung die überwältigende Mehrheit der Teilnehmer dafür ausgesprochen, dass die Busse und Straßenbahnen der estnischen Hauptstadt künftig für jederman kostenlos fahren sollen. Tallinn wäre die erste europäische Hauptstadt, die ein derartiges Experiment wagt. Mit seinen gerade mal 1,3 Millionen Einwohnern schafft es Estland nicht oft in die Schlagzeilen, und so gilt es, die Gunst der Stunde zu nutzen. Nach einer strapaziösen Anreise am Samstag muss dafür der eigentlich zur langsamen Akklimatisierung gedachte freie Sonntag geopfert werden.</p>
<p>Um Stimmen aus der Bevölkerung zu sammeln, soll es in zwei gegensätzliche Stadtteile Tallinns gehen: das Plattenbauviertel Lasnamäe und den schicken Vorort Pirita mit Yachthafen und Strand. Meine Frau und meine elfmonatige Tochter begleiten mich auf dieser kleinen Stadttour. Wie in Berlin auch schnalle ich meine Tochter in der Babytrage vor den Bauch. „Kannst Du so Interviews machen?“, fragt meine Frau. Ich weiß es nicht, ehrlichgesagt. Einen Journalisten, der sein Baby bei der Arbeit spazierenträgt, habe ich bisher noch nicht getroffen. Aber warum andererseits eigentlich nicht?</p>
<p lang="de-DE">Doch alle Sorgen sollen sich als unbegründet herausstellen: Unsere Tochter ist ein absoluter Blickfang, und so erledigt sich die Kontaktaufnahme im Bus nach Pirita, wo wir Fahrgäste befragen wollen, praktisch von selbst. Zunächst kommen wir mit einer anderen Mutter mit Baby ins Gespräch, dann schaltet sich deren Nachbarin ein. Ein weiterer Fahrgast steigt zu, er will entlang der malerischen Küstenstrecke aus dem Busfenster fotografieren. Doch dann entdeckt er uns als Fotomotiv, und bevor ich als Medien-Mittler in Estland meine erste Zeile veröffentlichen kann, steht unser <a href="http://laidam.planet.ee/pilt/album/maastiku%20ja%20linnapildid/1.04.2012a/index.htm">Familienfoto</a> bereits im Internet.</p>
<p>Ein paar Tage später erscheint dann auch mein erster <a href="http://www.epl.ee/news/valismaa/taismahus-berliini-piraadid-plaanivad-piletita-uhistransporti.d?id=64207293">estnischsprachiger Artikel</a>. Thema ist ebenfalls der kostenlose &#8211; oder richtiger der fahrscheinfreie &#8211; ÖPNV, den die Piratenpartei ihren Wählern in Berlin versprochen hat.</p>
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		<title>Berlin – eine rüstige Rentnerin</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Mar 2012 18:43:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Mell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendium 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin; 775 Jahre]]></category>

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		<description><![CDATA[Berlin, jung und dynamisch? Nicht bloß. Wenn man in Mitte, irgendwo zwischen Spree und Kupfergraben an der asphaltierten und zubetonierten Oberfläche kratzt, kommt das erheblich ältere Gesicht der Stadt zum Vorschein. Wie die 4000 Skelette, die die Ausgräber um die Archäologin Claudia Melisch in ein paar Meter Tiefe fanden. An dieser Stelle stand das von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Berlin, jung und dynamisch? Nicht bloß. Wenn man in Mitte, irgendwo zwischen Spree und Kupfergraben an der asphaltierten und zubetonierten Oberfläche kratzt, kommt das erheblich ältere Gesicht der Stadt zum Vorschein. Wie die 4000 Skelette, die die Ausgräber um die Archäologin Claudia Melisch in ein paar Meter Tiefe fanden. An dieser Stelle stand das von deutschen Kaufleuten gegründete Cölln, das zusammen mit der Doppelstadt Berlin den mittelalterlichen Siedlungskern der zukünftigen Millionenmetropole bildete.</p>
<p>Davon ist nicht zuletzt des zweiten Weltkrieges wegen überhaupt nichts zu sehen, wenn man mal vom Plattenbau-meets-Mittelalter-Projekt, dem Nikolaiviertel, absieht. Sogar der Name Cölln samt dem zentralen Petriplatz ist aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verschwunden. Doch Melisch und ihr Team stoßen gerade da, neben der heutigen achtspurigen Trasse zwischen Potsdamer Platz und Alexanderplatz, auf die alten Fundamente der Petrikirche und einer Lateinschule – und eben auf die Überreste der ersten Berliner.</p>
<p>Die spektakulären Funde könnten überdies das Alter Berlins ins Wanken bringen. Bislang wurde 1237 – anhand einer Urkunde – als offizielles Gründungsjahr der Stadt gefeiert. So wie Nazis 1937 oder die DDR und die Bundesrepublik in 1987. Doch anhand einer Holzbohle ist anzunehmen, dass das Gebiet schon im späten 12. Jahrhundert bewohnt war. Aber Berlin und sein Oberbürgermeister Klaus Wowereit feiern sich nun mal gerne, weshalb man nicht der Versuchung widerstehen konnte, auch dieses Jahr das 775. Geburtstag der rüstigen Rentnerin zu zelebrieren.</p>
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		<title>Besuch in der Landeshauptstadt der Schwaben, wo man alles kann außer Hochdeutsch …</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Mar 2012 15:13:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Agnes Szabo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendium 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Bosch; Stuttgart]]></category>

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		<description><![CDATA[Schon alleine wegen dieser selbstironischen Haltung bekommt man Lust auf Stuttgart und spürt Neugierde die Stuttgarter hautnah zu erleben. Als wir hören, dass sich sogar Johnny Depp in der Stadt gern aufhält, schließen wir sie für ewig und immer ins Herz. Der Tag fängt nach dem Flug aus Berlin mit einem Besuch in der Zentrale [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schon alleine wegen dieser selbstironischen Haltung bekommt man Lust auf Stuttgart und spürt Neugierde die Stuttgarter hautnah zu erleben. Als wir hören, dass sich sogar Johnny Depp in der Stadt gern aufhält, schließen wir sie für ewig und immer ins Herz. Der Tag fängt nach dem Flug aus Berlin mit einem Besuch in der Zentrale der Robert Bosch Stiftung an, die in unmittelbarer Nähe zur Bosch-Villa gebaut wurde. Die Zentrale könnte sogar als Sternwarte funktionieren, von wo man eben nicht nur die Himmelskörper und den Weltraum observiert, sondern auch das lebendige Stadtzentrum und die hier lebenden Menschen. Unsere fast vollzählige Gruppe wurde von den Mitarbeitern der Robert Bosch Stiftung <em>Edith Wolf,</em> <em>Markus Lux</em> und <em>Christiane Käsgen </em>empfangen. Herr Lux weiht uns lang aber mit voller Leidenschaft in die Biographie Robert Boschs, die Geschichte und Arbeit der Stiftung ein. In der Villa von Robert Bosch bekommt man nicht nur alles vom Leben, sondern auch vieles von dem Geist des Firmengründers mit.</p>
<p>Nach dem Mittagessen erfolgt ein Besuch des Staatsministeriums Baden-Württemberg, wo wir von <em>Klaus-Peter Murawski</em><strong>, </strong>dem Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei, in der prunkvollen Bibliothek der Villa Reitzenstein herzlich begrüßt werden. Er erzählt uns von den Schwerpunkten der Politik der in Deutschland einzigen Rot-Grün Koalition, für die und den damit verbundenen Richtungswechsel sich die Wähler von Baden Württemberg am 27. März 2011 entschieden haben. Der nächste Programmpunkt ist eine Führung durch die Villa Reitzenstein<strong> </strong>– Amtssitz des<strong> </strong>Staatsministeriums und des amtierenden Ministerpräsidenten. Auf den ersten Blick bekommt man den Eindruck, dass wir uns in einem königlichen Schloss befinden, was damit zu tun hat, dass die Villa nach dem Vorbild der Loire- Schlösser zwischen 1910 und 1913 für die Verlegertochter, Baronin Helene von Reitzenstein erbaut wurde.</p>
<p>Nach den vielen ausführlichen Informationen über Politik und Soziales hierzulande sind wir echt reif für das Abendessen. Wir essen und trinken im Restaurant Plenum im Herzen von Stuttgart. Das ist die zweite Gelegenheit seit unserer Ankunft, dass wir abends offiziell zusammensitzen, plaudern, erzählen und lachen. Die Stimmung und das Ambiente sind locker, lustig, offen und warmherzig: die Gruppe ist zusammengewachsen, es gibt fast keine Schweigeminuten oder überflüssige Höflichkeitsrunden mehr. Die Themenwahl ist auch dementsprechend facettenreich: von Politik über Kultur bis hinzu Männer- und Frauenthemen spannt sich der Bogen der internationalen und privaten Gesprächsthemen. Wir haben keine Lust uns zu trennen. Nach dem Abendessen geht es weiter ins Vergnügungsviertel von Stuttgart, um ein paar Gläschen mehr im Bauch zu haben, aber schön mit Disziplin und Anstand, denn der nächste ähnlich im guten Sinne anstrengende Tag steht vor der Schwelle.</p>
<p>Um 8.40 müssen wir samt Rüstung und Schwert vor der Hosteltür stehen. Auf der Tagesordnung stehen Besuch des Instituts für Auslandsbeziehungen, Kunstmuseum, Historische Stadtführung, Robert Bosch GmbH, vielleicht sogar ein bisschen mehr, als das Herz begehren würde. Aber trotz des Überangebotes kann man echt nur in Superlativen über die Programme und Organisation sprechen. <em>Sonja Bill, </em>Medienkoordinatorin für MOE und GUS, und <em>Susanne Warndorf,</em> Programmmitarbeiterin von Dialogforen, zeigen uns sogar die Bibliothek ihres Instituts, wo man alle deutschsprachigen Zeitungen, die je erschienen sind, auffinden kann. Ich entdecke aber eine Lücke: das von unserem Redaktionsteam zwischen 2005 und 2009 herausgegebene PEP! Magazin fehlt. Warum wohl?- fragte ich die Mitarbeiterin der Bibliothek. Sie meinte noch nie davon gehört zu haben…Anscheinend hat unser Ruf bis Stuttgart nicht gereicht… Ich versprach unser Versäumnis nachzuholen.</p>
<p>Und endlich kam das Highlight des Tages für mich, das Kunstmuseum mit dem luxemburgischen installativ arbeitenden Maler und Bildhauer, Michel Majerus, der vor allem durch die entgrenzende Kombination von Motiven der Kunstgeschichte mit denen der populären Massenkultur bekannt wurde. In der Ausstellung über Majerus überraschte mich zudem, dass sein Professor und Meister Joseph Kosuth war. Seitdem versuche ich herauszufinden, ob er mit unserem Nationalheld Lajos verwandt war, mit wenig Erfolg, da Wikipedia diesbezüglich keine Auskunft gibt. Joseph Kosuth lebt zudem weit weg, in Amerika, aber vielleicht kommt noch der Tag, an dem ich ihn fragen kann. Ich bin von Majerus sehr begeistert, er schaffte es, die Arbeit meiner zwei Favoriten, nämlich Warhol und Haring, weiterzuentwickeln und das Zeitgespür noch monumentaler und installativer zum Ausdruck zu bringen. Er stellte für alle zeitgenössischen Künstler wichtige Fragen: was für eine Tradition hat ein Künstler in den 1990er Jahren, soll man sich überhaupt als Künstler auf Traditionen berufen oder ganz andere Wege gehen? Er gehört zu den wenigen, die auch Antworten auf diese Fragen gefunden haben: Kunst ist ein Teil der Unterhaltungsindustrie mit Störfaktor, ein Kunstwerk existiert quasi nicht in sich, sondern im Kontext.</p>
<p>Zum Glück war uns während unseres Aufenthalts das Wetter gnädig, so konnten wir unter freiem Himmel unser leckeres Mittagessen in der strahlenden Sonne zu uns nehmen und die Unannehmlichkeiten aufgrund der Absatz- und etlicher eleganten Schuhe konnte einigermaßen geheilt werden. Nicht einmal die schwäbische Seele konnte den heiteren Sonnenstrahlen widerstehen. Der Park in der Innenstadt war voll mit spielenden Kindern und Jugendlichen, aber auch viele Werktätige waren dabei sich inmitten des Tages eine Kaffeepause zu gönnen. Das erste Mal ergriff mich ein heimwehähnliches Gefühl, ich musste unwillkürlich an die Margaretheninsel in Budapest und die Picknicke mit meinen Freunden denken. Am liebsten wären wir nachmittags im Freien geblieben, aber die Pflicht rief, wir mussten zur Robert Bosch GmbH aufbrechen. Auf uns warteten Zahlen, Fakten und Daten aus der Firmengeschichte. Von den Wänden war der Hauch von Historie und Tradition spürbar, <em>Dr. Werner Struth, </em>Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH und <em>Barbara Zelenay, </em>Managerin Internationale Kommunikation hielten ihre Vorträge und beide waren<em> </em>sehr glaubwürdige Persönlichkeiten, was kein Wunder ist, denn ein wichtiges Motto des Unternehmens lautet nämlich seit 125 Jahren: „Glaubwürdigkeit kann man nicht kaufen.”. Am Ende machten wir noch ein kurzes Gruppen-Picknick im Stadtpark und dann Abfahrt, diesmal vollzählig nach Berlin. Die Gruppe bleibt sogar in der S-Bahn zusammen, naja die Gruppendynamik scheint zu funktionieren. Wir sind gut darauf, Iljas verrät uns, dass er ohne Brille besser sehen kann, Clemens macht Witze darüber, wie ich es mit dem Blog schaffen werde. Voilá der Beweis…</p>
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		<title>ZDF &#8211; eine Welt für die Menschen</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Mar 2012 10:26:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Edita Badasyan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendium 2012]]></category>
		<category><![CDATA[ZDF]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Der Alte&#8221; – eine neue Folge der Krimiserie, die auf ZDF seit vielen Jahren ausgestrahlt wird, kommt im Fernsehen. Wenn ich in Deutschland bin, nutze ich die Möglichkeit mir deutsche Krimiserien anzuschauen. Obwohl ich mit Mila in einer WG zusammenwohne, schaue ich die Krimis allein, weil sie nicht begeistert davon ist. Ich sitze gemütlich auf dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p lang="zxx">&#8220;Der Alte&#8221; – eine neue Folge der Krimiserie, die  auf ZDF seit vielen Jahren ausgestrahlt wird, kommt im Fernsehen. Wenn ich in  Deutschland bin, nutze ich die Möglichkeit mir deutsche Krimiserien  anzuschauen. Obwohl ich mit Mila in einer WG zusammenwohne, schaue ich die  Krimis allein, weil sie nicht begeistert davon ist. Ich sitze gemütlich auf dem  Sofa, das Wochenende hat schon angefangen und ich schreibe einen Blog über  unseren Besuch beim Zweiten Deutschen Fernsehen.</p>
<p lang="zxx">Montag ist wie gewöhnlich ein schwerer Tag,  deswegen haben  Mila und ich uns verspätet. Wir mussten uns beeilen,  rennen, waren ziemlich rot und verschwitzt. Aber es hat sich gelohnt. Als wir in  den Konferenzsaal hineingegangen sind, hat Thomas Fuhrman schon  seinem Vortrag angefangen.</p>
<p lang="zxx">&#8220;Für die Menschen in Deutschland&#8221;- so lautet das  Motto des ZDF. Man kann es so interpretieren: die Menschen bezahlen dafür,  dass sie einen Fernseher für sich selbst haben. Etwa 18 Euro monatlich zahlt  jeder als Gebühr für das Öffentliche Fernsehen und den Rundfunk. Jeder 5.  Euro erhält der ZDF.</p>
<p lang="zxx">&#8220;2 Milliarden Euro  jährlich &#8211; ist das Budget des ZDF&#8221;- lautet die Aussage von dem  Redaktionleiter des Morgenmagazins Thomas Fuhrmann. Dadurch dass das  ZDF von seinen Zuschauern lebt, sind diese gleichzeitig die strengsten  und kritischen Richter. Jedesmal können die Zuschauer sowohl  Kritik als auch Lob per Internet oder per Post schicken.</p>
<p lang="zxx">Eine Stunde in dem Konferenzsaal war sehr  informativ. Wir haben erfahren wie alles funktioniert und organisiert wird,  besonderes bezogen auf das Morgenmagazin. Um eine Sendung für Montag  vorzubereiten, arbeiten die Journalisten und das technische Personal von  Sonntag 14 Uhr bis  Montag morgen. Pro Jahr werden 120 Sendungen  produziert.</p>
<p lang="zxx">Politik und Wirtschaft sind die  Schwerpunktthemen und das Durchschnittsalter der Zuschauer ist 49-60 Jahre.  Aber, wie Thomas Furmann erzählt hat, versucht das ZDF seit Jahren jüngere  Zuschauer zu gewinnen. Dies soll erreicht werden durch die digitalen Kanäle  wie zum Beispiel neo.zdf.de und kultur.zdf.de.</p>
<p lang="zxx">Anschließend haben wir mit dem Pressesprecher  Peter Hill einen Studiorundgang gemacht. Er hat uns die Seele des ZDF  gezeigt, die sich in dem technischen Studio befindet. Natürlich haben  wir auch die Studios gesehen, wo jeden Tag die wichtigsten Shows gesendet  werden.</p>
<p lang="zxx">Mich beschäftigt aber noch eine andere Frage: wie  kann das öffentlich-rechtliche Fersehen objektiv sein? Kann es wirklich ein  unabhängiges Medium sein? Und die Antwort ist &#8211; Ja es kann! Aber wie, fragen sie  mich?</p>
<p lang="zxx">Und zwar – es gibt einen Fernsehrat– wo Vertreter  aller im Bundestag vertretenen Parteien sitzen. Daher kann man im  Alltag hier frei und unabhängig Nachrichten machen! Ich wünsche mir, dass  so ein Modell von freiem Fernsehen in Georgien Einzug hält, dass Fernsehen nicht  nur für die Regierung, sondern für die Menschen gemacht  wird!</p>
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		<title>Es gibt keine unwichtigen Informationen</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Mar 2012 15:29:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thomas Mell</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendium 2012]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf den ersten Blick handelt es sich um einen gebräuchlichen Nistkasten. Aus braunen Holzbrettern zusammengezimmert, mit schrägem Dach und obligatorischem Landesteg für die Vögel. Doch dann bemerkt man im Flugloch das silberne Schimmern der Linse. Eine verstecke Kamera, aber ohne Lacher. Es handelt sich um ein weiteres Beispiel von ausgeklügelter Überwachungstechnik. Wir sind nämlich zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://medien-mittler.de/blog/wp-content/uploads/2012/03/Stasi.jpg"><img class="size-medium wp-image-1470 alignright" title="Stasi" src="http://medien-mittler.de/blog/wp-content/uploads/2012/03/Stasi-300x201.jpg" alt="" width="300" height="201" /></a></p>
<p>Auf den ersten Blick handelt es sich um einen gebräuchlichen Nistkasten. Aus braunen Holzbrettern zusammengezimmert, mit schrägem Dach und obligatorischem Landesteg für die Vögel. Doch dann bemerkt man im Flugloch das silberne Schimmern der Linse. Eine verstecke Kamera, aber ohne Lacher. Es handelt sich um ein weiteres Beispiel von ausgeklügelter Überwachungstechnik. Wir sind nämlich zu Besuch im Stasi-Museum.</p>
<p>Als „Schild und Schwert der Partei“ hat die DDR-Staatssicherheit fast 40 Jahre lang von Berlin-Lichtenberg aus „die Feinde“ des SED-Regimes bespitzelt. Das Museum befindet sich in Haus 1, im unscheinbaren Hauptgebäude des 22 Hektar großen Geländes an der Normannenstraße. Hier arbeitete auch Erich Mielke, der von 1957 bis 1989 als Minister für Staatssicherheit die Geschicke des Geheimdienstes lenkte. Die Mielke-Suite ist fast im Originalzustand erhalten, ein biederes Büro komplett mit verstecktem Panzerschrank und angeschlossenem Privatbad.</p>
<p>KGB, Darschawna Sigurnost oder Securitate &#8211; eigentlich sind Bespitzelung, Denunziation und Kontrolle östlich des Eisernen Vorhangs zumindest aus Familien-Geschichten bekannt. &#8220;Aber die Stasi war anders,&#8221; erklärt Uwe Hillmer von der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße. In den 1970ern verändern die DDR-Machthaber auf Verlangen der Sowjetunion ihr Vorgehen &#8211; statt Terror, Folter und Schrecken wird jetzt psychologischer Druck ausgeübt. Zersetzung heißt es in der Fachsprache.</p>
<p>Die Stasi-Maschinerie stützte sich auf drei Prinzipien: alle sind verdächtig, Sicherheit geht vor Recht und es gibt keine unwichtigen Informationen. Dafür sorgten etwa 90.000 hauptamtliche Mitarbeiter, das ergibt eine Quote von einem Beamten auf 180 DDR-Bürger. Einsame Spitze in der Weltgeschichte. Dazu kamen Hunderttausende IMs &#8211; inoffizielle Mitarbeiter -, die teilweise als Dümmling im Dorf jedermann bekannt waren, meistens aber erst nach der Wende aus den Stasi-Akten hervorgingen. Wenn überhaupt.</p>
<p>Uwe Hillmer klagt, dass die DDR-Geschichte bis heute nicht gründlich genug aufgearbeitet wird. Das fängt in den Schulen an, wo bayerische Gymnasiasten die DDR im Norden Deutschlands vermuten. Und im Osten verdrängt man oft die eigene Vergangenheit, man schweigt oder sie wird dankend gerne durch ein verniedlichtes Land mit Trabis, Pittiplatsch und einer lächelnden Kati Witt ersetzt. Es entsteht ein Zerrbild, wie es die Stasi wohl selbst nicht besser hingekriegt hätte.</p>
<p>Auch der Nistkasten mit der Spionkamera war eigentlich eine Attrappe der Stasi-Maskerade. Er sollte nur die Annahme verstärken, dass der Staat überall ihre Augen und Ohren haben. So erging es auch der „unsozialistischen“ Jugendgruppe, die den rechteckigen Kasten an ihrem üblichen Treffpunkt entdeckte. Sie trafen sich von nun an woanders. Dass die Stasi den neuen Ort schon längst vorbereitet hatte, erfuhren sie erst aus den Akten.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Das Haus der Wannsee-Konferenz</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Mar 2012 15:18:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Weiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendium 2012]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine nette Gegend. Ein stiller Ort. Ein ruhiger See. Gerade der schöne Ausblick auf Wannsee war möglicherweise einer der Hauptgründe, warum sich in dieser von einem reichen Unternehmer in den 1910er Jahren gebauten Villa vor 70 Jahren 15 hochrangige Funktionäre des Naziregimes versammelten. Am 20. Januar 1942 haben sie hier unter der Führung von Reinhard [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine nette Gegend. Ein stiller Ort. Ein ruhiger See.</p>
<p>Gerade der schöne Ausblick auf Wannsee war möglicherweise einer der Hauptgründe, warum sich in dieser von einem reichen Unternehmer in den 1910er Jahren gebauten Villa vor 70 Jahren 15 hochrangige Funktionäre des Naziregimes versammelten. Am 20. Januar 1942 haben sie hier unter der Führung von Reinhard Heydrich einige Stunden hauptsächlich darüber diskutiert, wie die „Endlösung der jüdischen Frage“ bürokratisch zu koordinieren sei als auch über das Schicksaal der „Mischlinge“ entschieden.<br />
In der prächtigen sandfarbigen Villa, die 1992 zur Gedenk- und Bildungsstätte wurde, ist heutzutage nicht nur eine Kopie des 15-seitigen Protokolls von der Sitzung zu sehen, sondern auch eine Menge anderer Dokumente, die den „gekrümmten Weg nach Auschwitz“ zu zeigen versuchen. So wird beispielsweise anhand von alten Fotografien, Schriften, Studien, Skizzen oder anderem Material die Geschichte des christlichen Antijudaismus, die Entwicklung von europäischen Rassentheorien wie auch ihre Kombination im nazistischen Antisemitismus verdeutlicht. Ferner werden dem Besucher weitere Schritte in den Abgrund für etwa sechs Millionen europäische Juden (nach der meist verbreiteten Schätzung) erklärt, so z.B. Hitlers Ergreifung der Macht, die Gründung von ersten Konzentrationslagern, die Rassengesetze des Dritten Reiches, die Enteignung der jüdischen Bevölkerung, deren Gettoisierung und schließlich deren massenhafte Tötung durch Einsatzgruppen oder in den Vernichtungslagern im besetzten Polen.<br />
Die ganze Ausstellung ist mit wenigen Ausnahmen auf die jüdische Erfahrung während des Holocausts konzentriert und versucht diese vor allem durch die Täterperspektive zu präsentieren. Die Opferperspektive ist weitgehend im Hintergrund, wird aber gelegentlich an Geschichten von vier jüdischen Familien anschaulich gemacht. Gleichfalls im Hintergrund stehen die Erfahrungen der Sinti und Roma, der Behinderten oder anderen von dem Naziregime verfolgten Gruppen.<br />
Die Wirkung der Ausstellung, die ich im Allgemeinen als konservativ aber gleichzeitig auch nutzbringend bewerten würde, können durch die Persönlichkeit des Guides noch verstärkt werden. Unser Guide hat meiner Meinung nach versucht, besonders drei Aspekte des Holocausts hervorzuheben: die Behauptung, dass die deutsche Bevölkerung über dem Völkermord viel mehr wusste, als oft zugegeben wird; dass viele Deutsche, die sich an dem Holocaust beteiligten, nicht bestrafft wurden und nach dem Krieg in ihren (oft auch wichtigen) Positionen bleiben konnten; dass sich an der „Endlösung“ auch andere Europäer beteiligten. Einerseits fand ich die Führung nützlich und gut erklärend, aber anderseits auch zu hektisch und rigide strukturiert.</p>
<p>Obwohl dem hochrangigen Treffen am Wannsee heute nicht mehr eine solche Bedeutung wie früher zugeschrieben wird, bleibt die Villa einer der Orte Berlins, die unser Verstehen vom Holocaust geprägt haben und die es sich lohnt zu besuchen. Nicht wegen des Ausblicks aber wegen der Atmosphäre und Wirkens des Ortes an dem über die Durchführung einer der tragischsten Ereignisse der europäischen Geschichte mitentschieden wurde.</p>
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